Mittwoch, 12. Dezember 2012

Es ist nicht alles Gold, was glänzt!


Wie im Rausch sind die Tage in Deutschland vergangen.
Alles begann mit einer wirklich anstrengenden Anreise nach Berlin. Dort angekommen schossen mir die unterschiedlichsten Gedanken in den Kopf. Ich wollte letztendlich wirklich nur zu meiner Mama, war nervlich am Ende und todmüde. Als ich dann nach knapp 24 Stunden in Hamburg am Bahnhof ankam, meine Mama in den Arm nehmen konnte, wollte ich nur noch weinen. Es war einfach ein wahnsinnig unrealistisches Gefühl, tatsächlich meiner Mutter gegenüberzustehen oder sie nach Lust und Liebe in den Arm zu nehmen.

Am nächsten Morgen kam direkt ein guter Freund zu Besuch in unser Hotel zum Frühstück. Danach wurde Hamburgs Innenstadt ausführlich genossen und der ein oder andere Euro liegen gelassen. Da die Läden in Ulan- Ude nicht sonderlich meinen Geschmack treffen, war das wie im Paradies.

Am Tag drauf ging es zu „Struss und Partner“, der eigentliche Grund für die Reise in die Heimat. Dort wurden wir schon am Eingang superfreundlich begrüßt. Nach einer kurzen Einführung fand ich mich in einem kleinen Zimmer mit Schreibtisch, Süßigkeiten, Getränken und einer menge Arbeit wieder.
Ich sollte nun Persönlichkeitstests, Interessentests und IQ Tests machen. Zwischendurch hatte ich noch ein langes Gespräch, indem ich viel über mich als Mensch preisgab. Gegen 16 Uhr kam meine Mama dazu und wir erfuhren die Ergebnisse meiner Tests und mehr über die Einschätzung meiner Person.

Es war interessant von einer im Grunde völlig fremden Person ein so zutreffendes Persönlichkeitsprofil erstellt zu bekommen. Ich konnte in keinem Punkt widersprechen.
In meinem Wunsch Psychologie zu studieren wurde ich bestätigt. Und hatte sogar die Empfehlung für die Medical -School Hamburg und eine Menge anderer Informationen und Optionen in einem Ordner zusammengesammelt bekommen. Die Medical School bietet den Studiengang angewandte Psychologie an, ist allerdings kostenpflichtig und deswegen bedeutet es harte Arbeit um dort einen Studienplatz zu bekommen.

Am Tag darauf ging es schon morgens von Hamburg zurück nach Berlin. Meiner Mama winkte ich aus dem Zug noch kurz zu. Das Weinen habe ich erst später nachgeholt, da wir uns vorgenommen haben Tränen zu vermeiden. In Berlin wurde ich dann von einer guten Freundin abgeholt. Wir aßen Sushi, tranken Tee und hatten ganz viel Zeit zu reden. Es war ein sehr schönes Wiedersehen nach langer Zeit. Danach traf ich einen alten Schulfreund, einer meiner längsten und treusten Freunde. Wir fuhren mit seinem Auto in die Stadt und machten uns auf die Suche nach einem neuen Piercing für mich. Wir hatten viel Spaß, aber auch die Zeit mit ihm war leider viel zu kurz. Gegen Abend besuchte ich dann eine gute Freundin im Krankenhaus. Eigentlich war unser Treffen deutlich anders geplant, aber wir hatten trotzdem ein paar nette Stunden zusammen. Anschließend ging es zu ihren Mitbewohnern in die WG. Mit ein paar Freundinnen, der beiden Jungs solle ich die Partyszene Berlins kennenlernen. Wir scheiterten allerdings schon an der ersten Türsteherin. Nach dem zweiten Versuch und kalten Füßen entschieden wir uns dann doch auf den Rückweg zu machen. Da es schon langsam wieder morgen wurde, hieß es nach einer schlaflosen Nacht auch schon schnell wieder Abschied nehmen von Deutschland.

Ich machte mich morgens auf den Weg zum Flughafen Berlin Tegel, mit einem 28 Kg schweren Koffer plus Reisetasche kämpfte ich mich durch den Schnee zur U-Bahnstation. Total übermüdet stand ich irgendwann in Moskau vor einem Mitarbeiter der Fluggesellschaft und bettelte ihn an, mir das Übergewicht von 8Kg durchgehen zu lassen, doch der Mann kannte kein Erbamen. Ein paar Kilo konnte ich noch im Handgepäck unterbringen und musste letzten Endes nur 2Kg Übergewicht zahlen.
Schon in diesem Moment vermisste ich Deutschland, dank des netten Mitarbeiters in Berlin, der mich keinen Cent zahlen lassen hat und sich sogar noch um einen Fensterplatz für mich gekümmert hat.

Die letzten Tage sind durchzogen von Bauchweh und der Sehnsucht nach zu Hause.
Flo bereitet sich jeden Tag ein bisschen mehr auf die lang ersehnte Heimreise vor. Und ich werde mich stück für Stück wieder aus diesem Loch rausholen müssen, in das ich jetzt gefallen bin.

Mein Fazit der Deutschlandreise ist leider, dass egal wie toll die fünf Tage waren, das womit man danach zu kämpfen hat steht in keinem Verhältnis und ich kann nur ans Herz legen es mir nicht gleich zu tun.

Trotzdem möchte ich mich bei allen treuen Freunden bedanken für die schönen Stunden und ganz besonders bei meiner Mama- einfach für alles!

Samstag, 1. Dezember 2012

"Filmstar!"

Hier das versprochene Video, von unserem Filmdreh vor einigen Wochen.

Dazu muss ich sagen, dass die Übersetzung ins Russische nicht besonders gut ist und ich mir den Text nicht selbst ausgedacht habe!

Grundsätzlich geht es um die Bedeutung der Denkmäler in der Stadt. Was genau ich damit zu tun habe?!- Keine Ahnung!

FILM AB:  ( leider hier nur der Dropboxlink, da die Datei zu groß ist)



https://www.dropbox.com/sh/xblvpiinzx884l4/0ZnrKy7RV_





Mittwoch, 28. November 2012

KALT


In der letzten Woche hat sich bei mir in Ulan-Ude ein Gefühl von Einsamkeit breit gemacht. Zum ersten Mal wollte ich wirklich einfach nur nach Hause. Ich habe es vermisst mit meinen Freunden auf dem Bett zu liegen und nichts zu tun, oder sich abends gemeinsam schick zu machen und auf eine tolle Nacht im Club zu hoffen. Nachts nach Hause zu kommen und in der Küche von Mama und Papa noch schnell den Rest vom Mittagessen auf einen Teller zu laden, morgens um 6 dann im Bett den Abend Revue-passieren lassen mit lecker persischem Reis.

Von den vielen Straßenhunden hatte ich ja bereits in einem der ersten Blogeinträge erzählt. Wie groß allerdings der Wunsch nach einem eigenen Hund ist, habe ich bisher noch nicht erwähnt. Und so kam es, dass ich Flo mobilisiert habe und wir vor zwei Wochen in ein Tierheim gefahren sind. Mit der Marschrutka ging es bis an den Stadtrand und bei rund minus 20 Grad stand uns noch ein 30 Minütiger Fußmarsch bevor.
Am Tierheim angekommen ging es zunächst darum einen Eingang zu finden, bei dem man nicht sofort von rund 30 Hunden umzingelt wurde. Irgendwann konnten wir durch ein Loch im Zaun eine der beiden Besitzerinnen auf uns aufmerksam machen.
Wir wurden sofort sehr freundlich begrüßt und nach ein paar Minuten hatte ich einen kleinen schwarz-weißen Welpen auf dem Arm. Ich hatte von vorne herein gesagt, dass ich, wenn, dann nur einen kleinen Hund mitnehmen könnte und irgendwo aus einem Holzverschlag wurde dann dieses unglaublich süße Wesen herausgeholt.

Bis ich am nächsten Morgen im Tierheim ankam um sie wieder zurück zu bringen, gingen wir davon aus, dass es sich bei unserem kleinen Goldstück um einen Rüden handelte. Wir nannten ihn Scharik, was auf Russisch mit Bällchen zu übersetzen ist, oder auch Luftballon. Da sie (!) wahnsinnig unterernährt war, blähte sich ihr Bauch nach dem Essen jedes Mal gigantisch auf und es sah so aus, als würde sie jeden Moment abheben.








Allerdings fiel mir zu spät ein, dass ich das Ganze mit meiner Gastmutter hätte besprechen sollen, da ich Scharik ja auch mit zur Arbeit hätte nehmen müssen. Als sie mir dann begründete, warum sie genau das nicht will, setzte ich alles daran, eine Unterkunft während meiner Arbeitszeit zu finden. Leider war das aussichtslos.

Die Kleine lag die ganze Zeit auf meinem Schoß und der unvermeidliche Abschied am nächsten Morgen war wahnsinnig schwer. Nicht nur, weil ich darin versagt hatte mich um sie zu kümmern, sondern weil ich sie wirklich in mein Herz geschlossen hatte.

In den nicht mal vierundzwanzig Stunden bei uns kam ich kaum zum Schlafen, weil sie alle paar Stunden aus den verschiedensten Gründen aus ihrer Kiste raus wollte.
Ich habe ständig den Boden gewischt oder bin mit ihr raus gegangen, und allein das war wirklich eine heftige Erfahrung. So viel Verantwortung für ein Tier hatte ich noch nie, aber der Moment, in dem sie mit aller Kraft auf meinen Schoß geklettert und eingeschlafen ist, war Entschädigung für den ganzen Stress drum herum.

Im Tierheim selbst hat mich dann auch noch einer der Hunde gebissen. Nicht dramatisch, aber drei fette blaue Flecken und ein kleiner Schock war das Ergebnis.

Woran ich bei der ganzen Hundeplanung nicht gedacht hatte war, das mit meiner zukünftigen Vermieterin abzuklären. Da Flo ab dem 20. Dezember überglücklich zurück nach Deutschland fliegt brauche ich eine neue Unterkunft. Über eine gute Freundin meiner Gastmutter bin ich dann vor ein paar Wochen zum Kaffee trinken bei einer Mutter und ihrer 17-jährigen Tochter gelandet. Sie studiert hier in der Stadt, ihre Mutter aber will nach Irkutsk ziehen, aus beruflichen Gründen. Ich würde dann mit ihrer Tochter in einer großen, super zentralen, allerdings etwas lauten Wohnung leben. Beim ersten Treffen hätte ich sie als schüchterne Siebzehnjährige eingeschätzt. Vor einer Woche habe ich sie dann noch mal zu mir eingeladen und fast nicht wieder erkannt. Ich denke wir werden gut miteinander klar kommen.

Inzwischen hole ich die Kinder eigentlich immer mit dem Schlitten aus dem Kindergarten ab. Meistens machen wir noch einen Schlenker am Spielplatz vorbei, der hier auch bei minus 20 Grad noch attraktiv ist.
Interessant in Bezug auf die Kälte ist, dass ich es mir viel schlimmer vorgestellt habe. Das liegt aber an der eher trockenen Luft. Daher können die Leute hier gut mit den Minusgraden umgehen. Das einzig schmerzhafte ist der Wind, den wir Dank der Nähe zum Baikal haben.

Eingekauft wird hier viel auf Märkten. Im Winter sind diese überwiegend überdacht.




Ab und zu bekomme ich von Mama kurze SMS über die ich mich jedes Mal aufs Neue freuen kann.



Ein sehr beliebter Sport ist gerade wenn es noch nicht soooo kalt ist, das Schlittschuhlaufen. Dazu gibt es einige Plätze an denen das Laufenkostenlos ist. Viele Leute hier haben eigene Schlittschuhe und sind auch dementsprechend gut und schnell unterwegs auf dem Eis. Letzte Woche habe ich mich mit Seseg und meinen beiden Mädels aufs Eis gewagt. Allerdings nur in Straßenschuhen, da wir keinen Ausweis dabei hatten und uns deswegen keine Schlittschuhe ausleihen durften.






Ansonsten besteht mein Alltag aus Kochen, Puzzeln, Verstecken oder Fangen spielen, Vater-Mutter- Kind, oder Schlittenfahren.

Das Highlight der letzten Wochen war aber der Ausflug nach Irkutsk mit fünf Freunden.
Nach einem ganzen Haufen Organisation im Voraus, die sich aber nur um die Buchung des Zuges drehte, haben wir uns Freitagabend in den Nachtzug nach Irkutsk gesetzt.




Morgens um halb sechs kamen wir in Irkutsk an und haben uns erst mal zum wach werden in das nächste Kaffee gesetzt. 




Da wurde dann eine Liste gemacht, was wir hier so alles vorhaben:



TO DO:

-Find a hostel/ place to sleep
-Flo needs Shoes
-Daniel needs a jogging suit
-Pia needs a jacket
-Aquarium
-Museum
-Carl-Marks-Boulevard
-Party-hardy
-Restaurant- Domino because of Blini

Bis auf das Städtische Aquarium konnten wir auch alles abhaken.

Nachmittags hatten wir dann auch noch einen Schlafplatz gefunden. Und mussten statt 700 nur 500 Rubel pro Person zahlen. Das sind umgerechnet rund 18 Euro.






Abends sind wir  noch in einen Club gegangen, in dem zwar erschreckend viele alte Leute, aber dafür ein kleiner Electrofloor war. Den habe ich eigentlich nur verlassen um auf die Toilette zu gehen oder meine Freunde zu suchen.
Ich habe die ganze Nacht getanzt und es einfach nur genossen.

Am nächsten Morgen sind die meisten verkatert aufgewacht. Allerdings hatte sich nachts im Suff ein Freund von uns verabschiedet. Da er Freunde in der Stadt hatte und noch nicht schlafen wollte erfuhren wir erst am Nachmittag, was er den ganzen Tag getrieben hatte.







Den Sonntag haben wir dann mit Sightseeing verbracht und sind einfach mal zu Fuß bei minus 11 Grad durch die Stadt gewandert.

Meine Laune ist dann irgendwann ordentlich abgesackt und ich habe mich mit Seseg in einem Internetcafee aufgewärmt.
Nach knapp 20 Minuten kamen die Anderen dann doch auch zurück und wir sind noch etwas essen gegangen. Und dann ging es auch schon wieder zurück zum Bahnhof.

Die Zugfahrt, war das vermutlich eindrucksvollste der ganzen Reise. Wir sind mehr oder weniger auf den billigen Plätzen unterwegs gewesen. Um uns herum saßen eine Menge Männer. Ich habe mich deutlich unwohl gefühlt, beobachtet und voller Sorge um meine Tasche, schlecht geschlafen. Es war kalt und ich kann mich vermutlich beim Zugpersonal für meine Erkältung bedanken. Auf der Rückfahrt wiederum haben wir alle nach Luft zum Atmen (vergeblich) gesucht, so stickig und heiß war es.

Den Sonntag haben wir dann mit Sightseeing verbracht und sind einfach mal zu Fuß bei minus 11 Grad durch die Stadt gewandert.

Meine Laune ist dann irgendwann ordentlich abgesackt und ich habe mich mit Seseg in einem Internetcafe aufgewärmt.
Nach knapp 20 Minuten kamen die Anderen dann doch auch zurück und wir sind noch etwas essen gegangen. Und dann ging es auch schon wieder zurück zum Bahnhof.

Die Zugfahrt, war das vermutlich eindrucksvollste der ganzen Reise. Wir sind mehr oder weniger auf den billigen Plätzen unterwegs gewesen. Um uns herum saßen eine Menge Männer. Ich habe mich deutlich unwohl gefühlt, beobachtet und voller Sorge um meine Tasche, schlecht geschlafen. Es war kalt und ich kann mich vermutlich beim Zugpersonal für meine Erkältung bedanken. Auf der Rückfahrt wiederum haben wir alle nach Luft zum Atmen (vergeblich) gesucht, so stickig und heiß war es.











Seit gestern hüte ich wieder das Bett, aber werde hoffentlich ab Morgen wieder arbeiten können. 

Donnerstag, 22. November 2012

Vorwarnung

Hallo ihr lieben treuen Leser,

heute sind es drei Monate im fernen Sibirien und ich komme seit Tagen nicht dazu einen neuen Blogeintrag zu verfassen. Da ich dieses Wochenende nach Irkutsk reise werdet ihr euch auch noch etwas gedulden müssen.

Ganz liebe Grüße, gerade von der Arbeit (die Kinder halten mich auf Trapp!;) )

Mittwoch, 7. November 2012

Aus der Provinz.


Bis auf mein Gewicht war die letzte Woche eher unter, als überdurchschnittlich.
Angefangen damit, dass ich aufgrund von zu niedrigem Blutdruck und dem Verlust meines Piercings von meinem sicheren Sitzplatz auf dem Badewannenrand nach einem Ohnmachtsanfall aus einem wunderbaren Traum, IN der Badewanne aufgewacht bin. Mein Kopf seit dem mit dem, wohl heftigen Aufprall zu kämpfen hat. Man könnte meinen mir wäre langweilig.

Vor drei Tagen bin ich mit Sack und Pack bei meinem deutschen Freund Flo aufgelaufen. Begleitet von einem netten Taxifahrer, der mir ein Video von seinem 6 jährigen Sohn zeigte und danach meine Handynummer haben wollte habe ich meinen Haushalt bei Rita innerhalb von 30 Minuten komplett aufgelöst. Zugegeben, das ging alles sehr schnell. Um der Reihe nach zu gehen...

Von dem Privatsphäre-Problem meinerseits habe ich ja schon von einiger Zeit erzählt.
Dazu kamen noch ein paar Kleinigkeiten, mit denen ich hätte leben können aber um ein Aufstauen zu vermeiden, war ein Gespräch mit Rita geplant. Dabei sollten mich meine Gastmutter und mein Gastpapa unterstützen, da mein Russisch lange nicht ausreicht, um solche Dinge zu formulieren.
Aus irgendeinem Grund schien Rita aber nicht an einem Gespräch interessiert zu sein und fand immer wieder einen Weg, um dem auszuweichen. Daraufhin rief meine Gastmama sie nach ein paar Tagen an. Das Ergebnis des Telefonates war, dass ich an meiner Wahrnehmung zweifeln musste und gar keine Lust mehr hatte überhaupt noch eine Nacht mit Rita unter einem Dach zu verbringen.
Anstatt eines ruhigen Gesprächs konnte Rita gar nicht mehr aufhören sich über mich zu beschweren. Es schien, als wäre ich die furchtbarste Mitbewohnerin, die man sich überhaupt vorstellen konnte. Ich hatte meine Schuhe nicht ordentlich geputzt, das Licht im Bad angelassen, ihre Marmelade gegessen und NIE das Geschirr gespült. Das ist noch lange nicht alles denn die Liste, der meiner Meinung nach, absurden Vorwürfe,zieht sich noch in die Länge.

Ich hoffe allerdings nicht mehr lange obdachlos zu sein. In den nächsten Tagen wird hoffentlich ganz Ulan- Ude darüber nachdenken, ob sie sich eine kleine deutsche Blondine als Untermieterin antun wollen. Wobei es mir hauptsächlich um eine feste Bleibe für den Rest der Aupair -Zeit geht. Flo ist wirklich ein super Kerl und hier eigentlich meine Hauptbezugsperson/Gesprächspartner/engster Freund-, dem ich sehr dankbar bin, dass er mich hier so herzlich aufgenommen hat.

Gerade lese ich von Alfred Adler „ Menschenkenntnis“. Zugegeben ich bin noch relativ am Anfang, was daran liegt, dass es kein leichter Stoff ist. Aber interessant ist, dass schon ganz am Anfang der Buchtitel schon als zentrales Thema gehandelt wird, was wiederum zum Nachdenken anregt.
Mit meiner Gastmama habe ich heute über den Zusammenhang zwischen dem russischen Schulsystem und dem Mangel an Empathie gesprochen. Während in Deutschland von der 6. Klasse an das Einfühlungsvermögen in Form von Erörterungen geprüft wird, steht das überhaupt nicht im Lehrplan der russischen Schulen. Vermutlich hat das seinen Ursprung in der Geschichte der Sowjetzeit. Lenin wusste ganz genau, dass die Geisteswissenschaftler eine Gefahr für ihn bedeuten könnten. Daraus folgte eine gezielte Einschränkung des selbstständigen Denkens.
Man sollte sich gar keine Gedanken darum machen, wie es besser sein könnte. Tragisch ist das sich daran noch nichts geändert hat.
Rita tat sich beispielsweise wahnsinnig schwer damit zu verstehen, dass meine Eltern kein Russisch sprechen, als ob es zur Allgemeinbildung gehören würde ein paar Brocken Russisch zu verstehen.
Oder auch bei Kommunikationsschwierigkeiten und dem naheliegenden langsamen Wiederholen des Satzes oder einfacherem Formulieren, wird oft entweder doppelt so schnell oder doppelt so viel gesagt.

Ich muss in diesem Zusammenhang klar sagen, dass Ulan- Ude und die Russen/Buryaten die ich hier kennenlerne vermutlich nicht vergleichbar sind mit den Einwohnern aus größeren Städten Russlands. Wir leben hier in der russischen Provinz und sind sicherlich weit mehr russischen Eigenheiten ausgesetzt, als wir es im fast schon europäischen Moskau oder St. Petersburg wären.
Eine kleine aber wichtige Korrektur zu meinen vergangen Einträgen ist zudem auch, dass meine Aussagen über „die Russen“ nicht auf alle zutrifft, aber doch im Kollektiv meine Beobachtungen sich meist bestätigen.

Die absolute Vorfreude habe ich, dank meiner Reise nach Deutschland am 5. Dezember. Ich werde allerdings nur in Berlin und Hamburg sein. Denn in Hamburg werde ich beiz „Struss und Partner“ sein(http://www.strussundpartner.de/index.php). Dort erwartet mich eine ausführliche Studienberatung und danach habe ich hoffentlich einen etwas genaueren Plan, wie es im Sommer 2013 weiter geht. Außerdem sehe ich meine Mama, die mich zu diesem Termin begleitet. Auf dem Rückweg habe ich noch einen Tag in Berlin Zeit, den ich dann mit ganz vielen tollen Menschen verbringen darf. Obwohl es natürlich gefährlich ist und ich einen erneuten Abschied vor mir habe überwiegt die Vorfreude. Dazu kommt, dass ich mich auch wieder auf zu Hause, in dem Fall Russland, freue!

Montag, 29. Oktober 2012

Fortschritt= Das Werk der Unzufriedenheit.“
-Jean-Paul Sartre


Zum Abschied im August habe ich am Flughafen von meiner Mama ein kleines Ledersäckchen bekommen. Darin war ein Zettel und ein Stein. Auf dem Zettel stand, dass sie immer für mich da ist. Heute habe ich dieses Säckchen nach einem Monat wieder in der Hand gehalten. Zum Einen, weil ich Sehnsucht nach zu Hause habe, zum Anderen, weil sie mir damit das größte Geschenk überhaupt gemacht hat. Was kann ein Mensch mehr tun, als für einen Anderen da zu sein, egal was passiert. 8000 Km von zu Hause, kann man sich schon mal alleine fühlen. Aber es beruhigt sehr zu wissen, dass ich einen Menschen habe, der immer für mich da ist.

Warum ich das hier so brauche? Egal wie toll die Menschen sind mit denen ich hier lebe, keiner kann meine Eltern ersetzen! Meine Freunde und Freundinnen aus Deutschland sehe ich heute in mancher Hinsicht auch mit anderen, neuen Augen, jetzt, da ich schon für längere Zeit von ihnen getrennt bin. Da wären meine Mädels, mit denen ich mich stundenlang unterhalten kann. Über Jungs oder die neuste Mode, über die Schule oder den neusten (attraktiven) Mitschüler, über die Liebe und den damit manchmal verbundenen Schmerz. Es gab Tage, an denen wir einfach nur zusammen geweint haben. Telefonate, in denen nur gestritten wurde. Aber trotzdem sind wir für einander eingestanden, wenn es drauf an kam. Das alles ist nichts Neues. Warum ich es dennoch hier formuliere, zeigt wie wichtig mir genau diese Menschen sind.
Es gibt auch Jungs/Männer die echte Freunde sind. Manchmal ersparen sie einem das „Rumgezicke“ oder das unnötige Ausdiskutieren. Sie sind die Schulter zum Anlehnen, oder brauchen hin und wieder die weibliche Intuition, die ihnen hilft zwischen Richtig und Falsch zu unterscheiden. Manchmal war ich nicht dankbar genug, für die vielen tollen Menschen um mich herum. Aus der Distanz lerne ich es zu schätzen!
Die meisten dieser Menschen habe ich in den letzten neun Jahren kennen gelernt. Viele davon in der Schule..

Wenn ich an die vielen, durchaus nicht immer erfreulichen, Schuljahre im Kepler zurückdenke, kann ich kaum glauben, dass ich heute manchmal die Schule wirklich vermisse. Mit dem Ende der Schulzeit ist ein wichtiger Lebensabschnitt zu Ende, eine Etappe die in ihrer Kontinuität Halt gab. Und natürlich fehlen mir heute die viele Kontakte und die wunderbaren Pausengespräche oder Zettelchen im Unterricht.

An den Tag meiner Einschulung erinnere ich mich, als wäre es gestern gewesen. Wir wurden alle namentlich auf die Bühne gerufen, Klasse für Klasse. Die Bühne war ohne Treppe, aber etwas erhöht. Einige fielen bei einem gekonnten Sprung nach oben hin, andere mussten sich auf Grund ihrer Größe helfen lassen und ich blamierte mich erst, als ich oben war. Das behalte ich jetzt für mich!
In unserer Klasse angekommen stellte ich fest, dass ich den gleichen Schulranzen wie eine Mitschülerin hatte und das machte sie sofort sympathisch!
Wie schnell die Zeit vergeht hat durchaus etwas Angsteinflößendes. Gerade noch in der 5. Klasse und schon im fernen Sibirien Da ich noch nicht genau weiß, wie es ausbildungsmäßig weitergehen wird, freue ich mich, wenn ich dafür eine Perspektive habe, auf die ich hin arbeiten kann. Wenn ich sicher weiß, wie es weiter geht.

Zur Sowjetzeit war in Russland Eigentum eine Art Fremdwort. So ziemlich alles gehörte dem Staat. Zunehmend werden Dinge, wie öffentliche Verkehrsmittel, Wohnungen, Häuser, etc. privatisiert.
Heute ist der Fahrer des Marschrutkas (das Sammeltaxi) also der Besitzer des Autos, das er fährt. Er legt Wert darauf, dass sein Auto nicht verdreckt oder kaputt gemacht wird.
Dass es am Respekt vor dem Eigentum anderer mangelt ist eine Beobachtung die man öfter macht, sicherlich nicht nur in Russland.

Eigenartigerweise ist die Mehrzahl der Verkäuferinnen in Russland ziemlich unfreundlich. Überwiegend diejenigen, die in einem Laden arbeiten, der nicht ihnen gehört. Sie erfüllen ihre einzige Pflicht durch ihre Anwesenheit und pünktliches Erscheinen. Ein freundliches Verhalten würde vielleicht dem Ladenbesitzer helfen, aber nicht ihrem Einkommen oder ihren Urlaubstagen. Die Kindergärtnerin von einem meiner beiden Mädels arbeitet 12 Stunden an fünf Wochentagen. Das ist vertraglich geregelt und für jeden Deutschen Ausbeutung pur. Wahnsinnige Arbeitszeiten und schlechte Bezahlungen unterstützen die Einstellung vieler Angestellter hier.

Ich würde Russland in dieser Hinsicht als entwicklungsbedürftig beschreiben. Man kann natürlich fragen, welches Land ist das nicht. In Deutschland aufgewachsen sind meine Vergleichsmöglichkeiten natürlich eingeschränkt. Vieles ist hier für mich doch sehr gewöhnungsbedürftig. Kleine Änderungsvorschläge in meinem Umfeld fallen kaum auf fruchtbaren Boden. Mir scheint, auch da gibt es eine gewisse Angst vor Veränderung.

Genug Philosophiert! Rita und ich haben heute zumindest mal kurz gesprochen. Ich habe sie gefragt ob alles in Ordnung ist, da sie die letzten Tage mir gegenüber etwas reserviert war. Darauf hin meinte sie alles wäre in Ordnung. Nach einigem Nachdenken erklärte sie mir aber, dass sie sich etwas schwer tut, wenn Leute krank sind und im Bett liegen. Für sie wäre es normal sich Medikamente zu kaufen und dann arbeiten zu gehen.

Anschließend erzählte sie mir von einem Mann, den ich neulich kennen lernen durfte. Sie sagte er hätte wohl Interesse an ihr sie fände ihn aber überhaupt nicht toll. Sie sagte das ging ihr immer so. Sie lernt jemanden kennen, aber hat immer etwas an ihm auszusetzen. Findet sie jemanden toll, will der nichts von ihr.
Das hörte sich so vertraut an und hätte genau so gut eine Sechzehnjährige sagen können.
Man liebt nicht von Anfang an. Es ist erst mal eine Frage der Harmonie. Man lernt sich zu lieben während der Beziehung und in der Ehe. So sagte sie.

Mein Problem der mangelnden Privatsphäre ist etwas komplexer , ich habe sie bisher nicht darauf angesprochen. Gerade liegt sie wieder neben mir auf der Couch im Wohnzimmer die eigentlich mein Bett ist, obwohl sie Hunger hat, Arbeiten muss und schlafen will, wie sie mir gerade noch berichtet hat. Irgendwie habe ich es noch nicht geschafft, sie auf das Thema anzusprechen. Vielleicht ist es auch einfach, dass ich nicht gerne alleine bin. Außerdem hilft sie mir auch beim Russischlernen und das ist wirklich viel Wert. Vermutlich muss ich auch einfach lernen damit umzugehen.

Die letzten Tage wurde ich medizinisch über Skype versorgt, da meine Ärztin aus Freiburg mich homöopathisch behandelt und ich meine eigene kleine „Reiseapotheke“ habe. Morgen werde ich wieder arbeiten. Und freue mich schon wieder auf die beiden Kleinen!




Donnerstag, 25. Oktober 2012

2 Monate..


Passend zu meinem zweimonatigen Bestehen in Ulan- Ude bin ich erst mal krank geworden und darf das Bett hüten. Dieser Blogeintrag hat lange auf sich warten lassen und um auch bloß nichts zu vergessen mache ich regelmäßig Notizen!


Zu aller Erst ....DAS BIN ICH:







Um der Reihe nach zu gehen, muss ich vom vergangenen Mittwoch berichten, an dem ich nachts um 12 einen Anruf bekommen habe: „ Pia LOS- PARTY!“ Ich war gerade im Schlafanzug und entspannt auf dem Bett vor einem schlechten Film eingenickt und natürlich sofort mit von der Partie! Nach 30 Minuten stand also vor der falschen Haustüre ein echter russischer Party-Wagen mit 40 Grad Plus, schlechter Musik und vier Kerlen. Leider nur drei davon auch in Partystimmung. Zum Glück war die Musik so laut, dass ich sie schon einen Block weiter weggehört habe und dann zu mir lotsen konnte. Über holprige Straßen geht es ab in den Club in dem, wie zu erwarten, an einem Mittwochabend relativ wenig los war. Am Eingang mussten wir klingeln und dann in den dritten Stock laufen. Oben angekommen empfing uns eine lustlose Dj-in und eine Flasche Wodka! Auf der Tanzfläche wurde dem leicht spastischen Tanzstiel freien Lauf gelassen und ich hatte meinen Spaß! Anschließend ging es zur Afterhour bei Flo (meinem deutschen Freund) und am nächsten Tag minimal übermüdet zur Arbeit. Aber es hat sich gelohnt!


Bei einem nächtlichen Spaziergang habe ich diese wundervolle Entdeckung gemacht:

Ein russisches DÖNER-Restaurant:





Samstag hatte ich dann meinen „großen Filmdreh“ im Stadtzentrum. Eigentlich sollte das Ganze ein Interview werden, stattdessen musste ich in hohen Schuhen über eine Mauer laufen und meinen Text sprechen. Das Schöne war, dass ich danach ganz viel Sushi essen durfte und ein Bild geschenkt bekommen habe das jetzt mein Zimmer dekoriert. Ich hoffe den fertigen Film hier zeigen zu können, weiß aber natürlich noch nicht, wann er ausgestrahlt wird.

In einer kurzen Pause habe ich mir dann noch etwas Gutes getan und bin Shoppen gegangen. Da es hier in der Stadt genau einen Laden gibt, der mir gefällt, war mein Endorphinhaushalt schnell wieder gedeckt.

Da zu meinen großen Talenten ja auch gehört, dass ich hier eindeutig zu viel kaputt mache, darf ich nicht vergessen von dem Kleinbrand in der Familienküche zu berichten, weil ich die Spaghetti, samt Tüte auf der heißen Herdplatte liegen lassen habe. Dummerweise haben die Spaghetti anschließend nach verbranntem Plastik geschmeckt.

Ich verbringe relativ viel Zeit in öffentlichen Verkehrsmitteln, da Stau zu bestimmten Tageszeiten so berechenbar ist, wie das Rita in meinem Bett einschläft, kann sich eine 10 Minütige fahrt locker vervierfachen. Dann und wann plumpst eine neue Babuschka auf den Platz neben mich und sitzt mit Eselsruhe noch halb auf meinem Schoß, da ein Platz in der Marschrutka nicht genug für sie und ihre Einkäufe ist.
Eine Beobachtung der letzten Tage war, dass es hier überwiegend weibliche Straßenbahnfahrerinnen gibt und weitestgehend nur männliche Marschrutkafahrer.
Dafür, dass den Fahrern der öffentlichen Verkehrsmittel die Handys an dem Kopf genäht zu sein scheinen, passieren hier verhältnismäßig wenige Unfälle.

So lustig die Situation im Bezug auf Rita und mich hier ist, die fehlende Privatsphäre mach mir schon auch zu schaffen. Jetzt wo ich krank bin wiederum bin ich doch dankbar, dass ich nicht alleine in einer Wohnung liege. Ich bin seid ein paar Tagen am überlegen, wie ich das Thema anspreche, aber werde eine Lösung finden.

Vor zwei Tagen haben wir bei Flo einen multikulturellen Abend gehabt durch die Zusammensetzung von: drei Russen, einer Buriatin, zwei Schweizern, zwei Deutschen, einer Engländerin, einem Finnen und einer Japanerin. Es wurde getrunken und geredet und war wirklich ein sehr schöner Abend. Mitten in der Nacht habe ich dann noch mit meiner Mama geskyped um ihr meine neuste Errungenschaft zu präsentieren!




Ansonsten habe ich in den letzten Tagen viel Zeit damit verbracht mich mit meinem Studium zu beschäftigen. Inzwischen habe ich mich weitestgehend für den Studiengang „ Psychology and Criminology“ entschieden.
Da es in Deutschland das Fach Kriminologie nur im Masterstudiengang gibt und es in England genau in dieser Kombination vereint gibt, wird es mich vermutlich/ hoffentlich also nach dem fernen Sibirien erst mal nach England verschlagen.
Da das Studium aber dort seinen Preis hat, sollte ich jetzt schon mal anfangen zu sparen! Für Spenden bin ich allerdings auch offen.



Meinen Tag beendete ich mit einem Heiratsantrag und einem Teller Nudelsalat nach Mamas-Rezept!